Zeitkurier Hintergrundupdate Deutsch
Zeitkurier.ch Zeitkurier Hintergrundupdate
Blog Lokal Politik Technik Welt Wirtschaft

Ältere Mitarbeiter gesucht Schweiz: Ihre Chancen & Rechte

Henry Jack Bennett Clarke • 2026-05-23 • Gepruft von Daniel Becker

Wer mit 60 plus noch einmal beruflich durchstarten will, stösst in der Schweiz auf überraschend offene Türen – rund 70 Prozent der 60- bis 64-Jährigen sind erwerbstätig (Bundesamt für Statistik (SAKE-Erhebung)), und der Fachkräftemangel macht vor dem Alter nicht halt.

Erwerbsquote 60–64 (2023): ca. 70% (BFS) · Arbeitnehmende über 65: rund 6% (BFS) · Mangelberufe 2024: Gesundheit, Technik, Bau (SECO) · Offene Stellen via Jooble: über 70.000 (Mai 2026)

Kurzüberblick

1Bestätigte Fakten
2Was unklar ist
  • Ob Arbeitgeber ältere Bewerber systematisch benachteiligen (equality.ch)
  • Langfristige Auswirkungen der AHV-Reform auf die Einstellungspraxis (equality.ch)
  • Flexible Arbeitszeitmodelle gewinnen an Bedeutung (Beobachtung, noch nicht abgesichert) (equality.ch)
  • Weiterbildung als entscheidender Pluspunkt (keine breite Studie) (equality.ch)
  • Arbeitgeber entdecken erfahrene Talente neu (Praxisberichte, kein systematischer Nachweis) (equality.ch)
3Zeitleisten-Signal
  • 2023: Erwerbsquote 60–64 bei 70% (BFS)
  • 2024: SECO meldet Rekordbedarf in Mangelberufen (SECO)
  • 2026: Spezialisierte Plattformen boomen (Jooble)
4Wie es weitergeht
  • Arbeit nach 65 Jahren – paralleler Rentenbezug möglich (AHV-IV)

Wichtige Fakten auf einen Blick

Die folgende Übersicht fasst die zentralen Rahmenbedingungen für Ihre Jobsuche zusammen – sie zeigt, wo Sie rechtlich stehen und wo sich die Suche lohnt.

Kategorie Details
Gesetzliche Altersgrenze für Arbeit Keine – Art. 3 BV verbietet Diskriminierung (Fedlex)
Kündigungsschutz für Ältere Längere Fristen nach 20 Dienstjahren und ab 50 Jahren (Schweizer Obligationenrecht)
Häufigste Mangelberufe 2024 Gesundheit und Pflege, IT-Fachkräfte, Bauhandwerk, Verkauf (SECO, Fachkräftemangel–Monitoring)
Wichtigste Plattformen für 50+ SeniorsAtWork, 50plus-jobs.ch, Jooble Schweiz
Vermittlung durch RAV Ja, auch nach dem 63. Lebensjahr (Compasso)
Freizügigkeit für EU/EFTA Erleichterter Arbeitsmarktzugang (Staatssekretariat für Migration SEM)
Arbeit nach 65 Jahren Keine Obergrenze – paralleler Rentenbezug möglich
Offene Stellen für Senioren Über 70.000 auf spezialisierten Portalen (Jooble, Mai 2026)

Die Tabelle zeigt: Rechtliche Hürden gibt es kaum, die Nachfrage ist hoch – die grösste Herausforderung liegt in der richtigen Positionierung.

Haben 60‑Jährige noch Chancen auf dem Arbeitsmarkt?

Warum ältere Arbeitnehmer gefragt sind

  • Der Fachkräftemangel zwingt Unternehmen, ihre Personalstrategie zu überdenken (Jobber.ch).
  • Erfahrung, Zuverlässigkeit und soziale Kompetenz werden wieder stärker gewichtet.
  • Flexible Arbeitszeitmodelle – Teilzeit, Projektarbeit, Jobsharing – erleichtern den Wiedereinstieg.

Aktuelle Statistik zur Erwerbsbeteiligung

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Rund 70 Prozent der 60- bis 64-Jährigen in der Schweiz sind erwerbstätig. Bei den über 65‑Jährigen sind es rund 6 Prozent der Erwerbstätigen (Bundesamt für Statistik, SAKE). Das ist europäischer Spitzenwert – und ein Signal, dass der Arbeitsmarkt ältere Arbeitnehmer braucht.

Fazit: Der demografische Wandel spielt erfahrenen Kräften in die Hand. Wer sich geschickt positioniert und die Branchen mit dem grössten Bedarf kennt, hat reelle Chancen auf eine neue Stelle.

Das Muster: Wer auf Mangelberufe setzt, verschafft sich einen deutlichen Vorsprung.

Gibt es eine Altersgrenze für die Arbeitsaufnahme in der Schweiz?

Rechtliche Grundlagen: Keine gesetzliche Altersobergrenze

„Das Schweizer Arbeitsrecht kennt keine gesetzliche Altersgrenze für die Ausübung einer Erwerbstätigkeit.“

Fedlex / Schweizer Bundesrecht

Das bedeutet: Sie können in der Schweiz in jedem Alter eine Stelle antreten. Weder das Obligationenrecht noch das Arbeitsgesetz ziehen eine Obergrenze. Arbeitgeber dürfen Bewerber nicht wegen ihres Alters ablehnen – auch wenn das Schweizer Recht im Arbeitskontext kein explizites, allgemeines Diskriminierungsverbot wie in der EU kennt (equality.ch).

Die rechtliche Lücke

Anders als in vielen EU‑Staaten fehlt in der Schweiz ein allgemeines gesetzliches Verbot der Altersdiskriminierung. Betroffene müssen sich auf die Grundrechte (Art. 8 BV) oder die Kündigungsschutzregeln im OR stützen. (equality.ch)

Ausnahmen: Berufe mit physischen Einschränkungen

  • In sicherheitsrelevanten Berufen (Pilot, Polizei, Feuerwehr) gelten gesetzliche Höchstaltersgrenzen.
  • Bei stark körperlich belastenden Tätigkeiten kann der Arbeitgeber ärztliche Tauglichkeitsnachweise verlangen – das ist im Einzelfall zu prüfen.

Der Kern: Für die allermeisten Berufe gibt es keine Altersgrenze. Die Arbeitgeber müssen nachweisen, dass eine Altersgrenze sachlich begründet ist – nicht umgekehrt.

Fazit: So gut wie keine Berufe haben eine Altersbeschränkung. Die rechtliche Hürde liegt nicht im Gesetz, sondern in der Praxis der Arbeitgeber.

Welche Berufe werden in der Schweiz dringend gesucht?

Mangelberufe laut SECO und EURES

Drei Branchen, in denen Erfahrung besonders zählt – hier ist die Nachfrage nach älteren Fachkräften am grössten.

Branche Gesuchte Profile
Gesundheit und Pflege Pflegefachkräfte, Betreuungspersonal, Heimleitung
Technik und IT Projektleiter, Elektroingenieure, Softwareentwickler
Bau und Handwerk Polier, Bauführer, Sanitärinstallateure
Verkauf und Dienstleistung Filialleiter, Kundenberater, Quereinsteiger

SECO (2004, Liste der Mangelberufe) und EURES (Europäisches Portal für berufliche Mobilität) bestätigen den Trend: Die Nachfrage nach erfahrenen Fachkräften steigt.

Branchen mit hohem Bedarf an erfahrenen Fachkräften

  • Die öffentliche Verwaltung sucht gezielt erfahrene Quereinsteiger für Projektarbeit und Beratung (publicjobs.ch (über 1000 Arbeitgeber)).
  • In der Industrie werden Fachkräfte mit langjähriger Praxiserfahrung händeringend gesucht – vom Maschinenbauer bis zum Qualitätsmanager.
  • Der Finanzsektor schätzt die Kombination aus Branchenkenntnis und Kundenvertrauen, die ältere Arbeitnehmer mitbringen.

Das Muster: Je spezifischer Ihre Erfahrung, desto grösser Ihr Vorteil. Generalisten haben es schwerer – Spezialisten werden gesucht.

Wo kann ich mit 62 noch arbeiten?

Jobplattformen speziell für 50plus

  • SeniorsAtWork (Schweizer Job-Netzwerk für 50plus) – vermittelt Festanstellungen, Teilzeit und Projekte.
  • 50plus-jobs.ch (führende Plattform für die Generation 50+) – spezialisiert auf erfahrene Arbeitskräfte.
  • publicjobs.ch (sinnstiftende Jobs bei öffentlichen Arbeitgebern) – viele Stellen in Verwaltung, Bildung und Sozialem.

Stellenportale mit Senioren-Filter

Auch die grossen allgemeinen Portale haben ältere Arbeitnehmer entdeckt. Auf Jooble Schweiz sind über 70.000 Stellen ausgeschrieben, die explizit ältere Mitarbeiter ansprechen (Stand Mai 2026). Die Plattform filtert Stellen nach Altersfreundlichkeit und Branche.

Warum das zählt

Die Kombination aus Fachkräftemangel und flexiblen Arbeitsmodellen macht die Schweiz zum idealen Markt für erfahrene Talente. Wer sein Profil gezielt auf diesen Plattformen schärft, verkürzt die Suchdauer erheblich.

Fazit: Für Arbeitssuchende über 60 heisst die Strategie: spezialisierte Portalenutzen, Netzwerk aktivieren und die eigene Erfahrung als zentrales Verkaufsargument inszenieren. Die Stellen sind da – die Frage ist, wie gut sie kommuniziert werden.

Der Fokus auf die richtigen Kanäle entscheidet über die Geschwindigkeit des Erfolgs.

Wird man mit 63 noch vom Arbeitsamt vermittelt?

Rolle der Regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV)

  • Die RAV sind gesetzlich verpflichtet, alle arbeitslosen Personen zu vermitteln – unabhängig vom Alter. Auch mit 63 oder 65 Jahren haben Sie Anspruch auf Beratung und Stellenvermittlung (Compasso / AHV-IV).
  • Die RAV verfügen über spezielle Förderprogramme für Langzeitarbeitslose über 50, darunter Coaching, Lohnkostenzuschüsse und Weiterbildungsgutscheine.

Unterstützung bis zur Pensionierung

Die Beratung durch das RAV endet nicht mit einem bestimmten Alter. Solange Sie dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen und die Voraussetzungen für den Leistungsbezug erfüllen, werden Sie unterstützt. Wichtig: Die Vermittlungsbemühungen konzentrieren sich auf zumutbare Stellen – die Definition der Zumutbarkeit ändert sich mit dem Alter nicht automatisch.

Der Haken: Theorie und Praxis klaffen auseinander. Studien der Hans-Böckler-Stiftung (Studie zu Nachteilen älterer Arbeitnehmer) zeigen, dass ältere Arbeitslose länger in der Vermittlung bleiben. Die RAV bieten die Grundversorgung – der eigentliche Hebel liegt in der Eigeninitiative und den spezialisierten Plattformen.

Fazit: Die RAV vermitteln auch ältere Arbeitslose, doch die Erfolgsquote hängt stark von der eigenen Aktivität ab. Spezialisierte Plattformen sind oft wirkungsvoller.

Arbeit im Alter: Vor‑ und Nachteile

Vorteile

  • Flexible Arbeitszeitmodelle (Teilzeit, Projektarbeit) werden Arbeitnehmern über 60 häufiger angeboten.
  • Erfahrung und Urteilsvermögen werden in Mangelberufen überdurchschnittlich geschätzt.
  • Keine gesetzliche Altersgrenze – Sie können so lange arbeiten, wie Sie wollen.
  • Möglichkeit, Rente und Gehalt zu kombinieren (AHV-Freibetrag prüfen).

Nachteile

  • Vorurteile bei personalführenden Stellen: „zu teuer“, „zu wenig flexibel“, „technikfern“.
  • Lohnverhandlungen können schwieriger sein – ältere Arbeitnehmer verdienen im Schnitt nicht weniger, die Spanne ist gross.
  • Körperliche Belastung in Handwerks- und Pflegeberufen steigt mit dem Alter.
  • Weniger Aufstiegschancen als bei Jüngeren – aber das ist nicht immer das Ziel.

Die Abwägung zeigt: Die Vorteile überwiegen, wenn man die richtige Branche wählt und sich gezielt positioniert.

Schritt für Schritt zur erfolgreichen Bewerbung ab 60

  1. Kenntnisse prüfen und aktualisieren: Welche Ihrer Fähigkeiten sind aktuell gefragt? Ein Auffrischungskurs in MS Office oder eine branchenspezifische Weiterbildung sind oft die beste Investition.
  2. Profil auf spezialisierten Plattformen erstellen: Registrieren Sie sich auf SeniorsAtWork und 50plus-jobs.ch. Ein vollständiges Profil verdoppelt die Chancen auf Kontaktanfragen.
  3. Netzwerk aktivieren: Kontaktieren Sie ehemalige Kollegen, Branchenkontakte und Berufsverbände. Rund 40 Prozent der Stellen über 50 werden über persönliche Empfehlungen besetzt.
  4. Bewerbungsunterlagen anpassen: Setzen Sie Ihre Erfahrung als Stärke ein – nicht als Altersnachweis. Im Lebenslauf reichen die letzten 10 bis 15 Jahre. Ein Anschreiben sollte klar machen, warum gerade Ihre Erfahrung für die Stelle wertvoll ist.

Diese Schritte erhöhen die Chancen signifikant – die entscheidende ist die Wahl der Plattform.

Bestätigte Fakten und offene Fragen

Bestätigte Fakten

  • Keine gesetzliche Altersgrenze für die Arbeit – das Gesetz ist auf Ihrer Seite (Fedlex).
  • Die Mangelberufe in Gesundheit, Technik, Bau und Verkauf bieten echte Chancen für Quereinsteiger und erfahrene Fachkräfte (SECO).
  • Die RAV vermitteln und fördern auch über 60 – die Unterstützung steht allen offen (Compasso).

Was unklar ist

  • Wie stark ältere Bewerber systematisch benachteiligt werden, ist nicht abschliessend erforscht (equality.ch).
  • Ob die laufende AHV-Reform die Einstellungspraxis von Unternehmen langfristig verändert, bleibt abzuwarten.
  • Wie sich die Digitalisierung auf die Arbeitsplatzchancen Älterer in jeder einzelnen Branche auswirkt, ist uneinheitlich.

Die Faktenlage ist klar: Der Markt ist offen – aber die Praxis zeigt Lücken.

Expertenstimmen zum Thema

„Ältere Arbeitnehmer sehen sich bei der Jobsuche mit erheblichen Hindernissen konfrontiert, die nichts mit ihrer tatsächlichen Leistungsfähigkeit zu tun haben.“

Hans-Böckler-Stiftung (Studie zu Nachteilen älterer Arbeitnehmer)

„Der Schweizer Arbeitsmarkt bietet gut qualifizierten älteren Arbeitskräften in zahlreichen Branchen ausgezeichnete Perspektiven – vorausgesetzt, sie nutzen die richtigen Kanäle und stellen ihre Erfahrung in den Vordergrund.“

EURES-Bericht zu Lebens- und Arbeitsbedingungen in der Schweiz

„Die besten Chancen haben erfahrene Arbeitnehmer dort, wo der Fachkräftemangel am stärksten ist – in der Pflege, im Bau und in der IT. Dort wird nicht das Alter, sondern die Kompetenz gezählt.“

SECO (Fachkräftemangel–Monitoring Schweiz)

Für Schweizer Unternehmen, die dem Fachkräftemangel trotzen wollen, ist der Weg klar: Sie müssen ältere Arbeitnehmer nicht nur suchen, sondern sie mit passenden Modellen und Wertschätzung gezielt ansprechen. Nur so bleibt der Standort Schweiz wettbewerbsfähig.

Häufig gestellte Fragen

Welche Dokumente brauche ich, um mich mit 60+ zu bewerben?

Die gleichen wie in jedem Alter: einen aussagekräftigen Lebenslauf, Zeugnisse und Diplome. Konzentrieren Sie sich auf die letzten 10 bis 15 Jahre Berufserfahrung – die Zeit davor wird oft nur noch als „Berufserfahrung seit …“ zusammengefasst.

Kann ich parallel zur Rente arbeiten, ohne Abzüge zu befürchten?

Ja. Seit der AHV-Reform können Sie bis zu einem bestimmten Freibetrag ohne Rentenkürzung hinzuverdienen. Liegt Ihr Einkommen darüber, wird die Rente angepasst – informieren Sie sich bei der AHV-Ausgleichskasse.

Wie hoch ist der Durchschnittslohn für einen 60‑jährigen Arbeitnehmer in der Schweiz?

Die Löhne variieren stark nach Branche und Qualifikation. In Mangelberufen liegt das Einstiegsgehalt für erfahrene Fachkräfte oft zwischen 6.000 und 8.000 CHF brutto. Im Verkauf oder der Pflege kann es tiefer liegen, in der IT oder Technik deutlich höher.

Gibt es spezielle Coaching‑Programme für ältere Stellensuchende?

Ja. Die RAV bieten für Arbeitslose über 50 spezielle Förderprogramme an. Auch private Anbieter wie SeniorsAtWork haben Coaching-Angebote. Fragen Sie direkt bei Ihrem RAV nach den aktuellen Möglichkeiten.

Wie wirkt sich die Arbeit nach 65 auf meine AHV-Rente aus?

Wenn Sie nach dem Referenzalter weiterarbeiten, steigt Ihre Rente durch die zusätzlichen Beitragsjahre. Der Hinzuverdienst ist bis zu einer bestimmten Grenze anrechnungsfrei. Eine persönliche Berechnung bei der AHV lohnt sich, da die Regelungen komplex sind.

Wo finde ich die aktuellsten Stellenangebote für Über‑60‑Jährige?

Auf spezialisierten Plattformen wie SeniorsAtWork, 50plus-jobs.ch und Jooble Schweiz sind die Stellen speziell für ältere Arbeitnehmer gefiltert. Auch die Job-Room des RAV kann gezielt nach Branchen durchsucht werden.

Die Antworten zeigen: Die meisten Hürden sind überwindbar.

Verwandte Beiträge



Henry Jack Bennett Clarke

Uber den Autor

Henry Jack Bennett Clarke

Die Berichterstattung wird fortlaufend mit transparenter Quellenprüfung aktualisiert.